Landesverband Bayern

der Schwerhörigen und Ertaubten e.V.

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Bamberg als erste bayerische Stadt mit "Goldener Ringschleife" ausgezeichnet

 

 

Bamberg (hw) - Die Attraktivität eines Wohnortes definiert sich auch über die Barrierefreiheit für behinderte Mitbürger. Und hier stellt, was das Angebot an induktiven Höranlagen für schwerhörige Menschen betrifft, die oberfränkische Stadt Bamberg mit ihren 70.000 Einwohnern ein nachahmenswertes Vorbild in Bayern dar.
Allein in der Stadtverwaltung sind neun induktiv ausgestattete Stellen zu finden, einschließlich des Büros des Oberbürgermeisters. Weiterhin wurden kulturelle Bereiche wie Theater, Kino, VHS, Turnhalle Konzert- und Kongresshalle mit dieser Technik versehen (Info). Innerhalb kurzer Zeit erreichte man eine beachtliche Anzahl an Induktionsanlagen. Das Erfolgsrezept: Eine enge Zusammenarbeit zwischen der Stadt Bamberg und der örtlichen Selbsthilfegruppe für Schwerhörige "OhrRing" mit deren engagierten Sprecherin Margit Gamberoni. Fachkundig zur Seite stand hier Thomas Jaggo, Technikreferent des Landesverbandes Bayern der Schwerhörigen und Ertaubten e.V., und sorgte für eine normgerechte und damit hochwertige Qualität der Anlagen.

 

Die herausragenden Verdienste zur Ermöglichung barrierefreier Kommunikation für schwerhörige Menschen würdigte man am 6. November 2010 auf besondere Weise. Im Rahmen der Herbsttagung des Landesverbandes, die im Bamberger Rathaus stattfand, wurde die Stadt Bamberg vom Landesverbandsvorsitzenden Manfred Hartmann als erste bayerische Stadt mit der "Goldenen Ringschleife" ausgezeichnet.
Vor der offiziellen Überreichung der Urkunde schilderte die städtische Behindertenbeauftragte Nicole Orf den Tagungsteilnehmern den Verlauf dieses Modells: Vor etwa drei Jahren erkundigte sich Margit Gamberoni, was die Stadt Bamberg dem schwerhörigen Mitbürger an Barrierefreiheit anbietet. "Gebärdendolmetscher", gab Nicole Orf damals zur Auskunft. Dass die meisten Schwerhörigen die Sprache der gehörlosen Menschen nicht erlernt haben und ihnen ein Gebärdensprachdolmetscher deshalb nichts nützt, darüber klärte die selbst betroffene Gruppensprecherin schnell auf.
Mit Unterstützung des Oberbürgermeisters Andreas Starke wurde daraufhin gemeinsam eine Bedarfsliste für Induktionsanlagen erstellt und der Sozialplan entsprechend den Defiziten aufgestockt. Für Nicole Orf bedeutet es ein Plus, dass Induktionsanlagen finanziell überschaubar sind, gut nachgerüstet werden können und der Erfolg sofort "sichtbar" sei.
Zu den Aufgaben der Behindertenbeauftragten gehört es, darauf zu achten, dass die Gesetze zum Wohle der Behinderten eingehalten werden. "Und so muss man die entsprechenden Stellen mit Nachdruck auf die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen aufmerksam machen und das in den Gleichstellungsgesetzen verankerte Recht auf gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben einfordern", sagte Nicole Orf.
Wichtig sei es, dass die Betroffenen selbst bei den örtlichen Behindertenbeauftragen ihr Anliegen vorbringen. Am besten solle man, wie es der "OhrRing" praktiziert, schon vorab über Lösungen nachdenken und fertige Konzepte soweit als möglich bereit halten.

 

Andere Städte wurden bereits auf Bamberg aufmerksam.

 

"Mittlerweile werde ich in puncto Induktionsanlagen von anderen Städten angesprochen, die auf Bamberg aufmerksam geworden sind", so Nicole Orf. Über Nachahmer würde man sich da freuen. Stolz nahm Oberbürgermeister Andreas Starke die vom Landesvorsitzenden Manfred Hartmann überreichte Urkunde entgegen. "Dies ist eine wertvolle Auszeichnung, die uns viel bedeutet und Ansporn gibt. Doch Bamberg will sich auf diesem Preis nicht ausruhen. Im Stadtrat werden in der Regel gute und wichtige Entscheidungen getroffen. Es sollen künftig die Versammlungen des Stadtrats ohne Ausgrenzungen zu verfolgen sein. Jeder soll dort in der Lage sein, alles mitzubekommen."

Zudem wurde verraten, dass eine Induktionsanlage für die städtische Aussegnungshalle geplant sei. Auf die Stadt Bamberg, so scheint es, dürfen die schwerhörigen Bürger auf weitere Schritte zur Teilhabe vertrauen.

 


Foto: Herbert Egert
von links nach rechts: Manfred Hartmann Landesvorsitzender, Andreas Starke Oberbürgermeister von Bamberg, Gundi Kurzmann-Schiller stellvertretende Landesvorsitzende, Nicole Orf Behindertenbeauftragte Stadt Bamberg

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Foto: Heidi Wittmann
Oberbürgermeister Andreas Starke bei seiner Dankesrede


Foto: Heidi Wittmann
(von links) Manfred Hartmann, Landesvorsitzender, Gundi Kurzmann-Schiller, stellvertretende Landesvorsitzende, Nicole Orf, Behindertenbeauftragte der Stadt Bamberg und Margit Gamberoni, Gruppensprecherin der Bamberger Selbsthilfegruppe für Schwerhörige „OhrRing“.

 

Info: Induktionsanlagen in Bamberg

 

 

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