Bayerische Oberlandbahn -
Tag der offenen Tür für behinderte Fahrgäste
Die Bayerische
Oberlandbahn (kurz BOB) verbindet München über Holzkirchen mit
den Ausflugsgebieten Bayrischzell, Tegernsee und Bad Tölz -
Lenggries. Am 02.10.2010 wurde von der BOB zu einem Tag der
offenen Tür für die Behinderten eingeladen.
Nach der Begrüßung
durch Hr. Heino Seeger, Geschäftsführer und Oberster
Betriebsleiter der BOB kamen einige Vertreter von
Behindertenverbänden zu Wort. Die einzelnen Reden wurden von der
Gebärdendolmetscherin Frau Kaltenegger in Gebärdensprache
übersetzt. Während der Reden war aber anscheinend niemand von
den Gehörlosen anwesend. Vertreten waren u.a. der
Behindertenbeauftragte des Landkreises Miesbach, Herr
Grafwallner, die Blinden und Sehbehinderten und der
Landesverband Bayern der Schwerhörigen und Ertaubten e.V.
Der Landesverband
Bayern der Schwerhörigen und Ertaubten e.V. war vetreten durch
die Vorstandsmitglieder Klaus und Lydia Ulmer und Heidi
Wittmann. Außerdem waren noch Vertreter der im Landesverband
organisierten Selbsthilfegruppen der Schwerhörigen aus
Ingolstadt und Memmingen anwesend.
Als Vertreter der
Schwerhörigen wies Herr Klaus Ulmer auf die Vielschichtigkeit
der unterschiedlichen Bedürfnisse der verschiedenen Gruppen von
behinderten Menschen hin, die sich von den Problemen eines
Rollstuhlfahres über die Sehbehinderten und Blinden bis zu den
Schwerhörigen und Gehörlosen spannt.
Dabei wurde
insbesondere auf den Unterschied der Bedürfnisse von
Schwerhörigen und Gehörlosen hingewiesen. Da Gehörlosigkeit oft
schon in jungen Jahren, wenn nicht sogar schon von Geburt an
auftritt, lernen die meisten Gehörlosen die Gebärdensprache und
damit kann ihnen mit einem Gebärdendolmetscher geholfen werden.
Im Gegensatz dazu tritt die Schwerhörigkeit oft erst in
zunehmendem Alter auf, in dem die Menschen die Gebärdensprache
nur sehr schwer lernen, da es im Prinzip wie das Lernen einer
Fremdsprache ist. Für die Schwerhörigen sind daher technische
Hilfsmittel notwendig und zwar in erster Linie Induktionsanlagen
für die direkte verbale Kommunikation und zusätzlich
schriftliche Informationen in Form von Anzeigen oder Projektion
des Gesprochenen als Text durch einen Schriftdolmetscher. In
Bezug auf die aktuelle Situation eines Verkehrsmittels wie der
BOB betonte Herr Ulmer insbesondere den Nutzen von
Induktionsanlagen im Schalterbereich sowie andererseits von
schriftlicher Information in den Zügen über den aktuellen
Fahrtverlauf und auch über aktuelle Änderungen. Frau Lydia
Ulmer, ebenfalls vom Landesverband der Schwerhörigen, wies dabei
besonders auf die Information bei einem außerplanmäßigen
Abstellen des Zuges hin, damit man sich als Schwerhöriger, der
die Durchsage nicht verstanden hat, nicht plötzlich auf einem
Abstellgleis wiederfindet.
Herr Seeger wies am
Schluss des offiziellen Teils darauf hin, dass die BOB dabei
ist, im Laufe des nächsten Jahres ein neues und modernes
Fahrgastinformationssystem in den Zügen einzubauen. Dabei soll
neben den ausführlicheren und besser lesbaren Anzeigen auch die
Lautsprecheranlage für die Durchsagen in den Zügen akustisch
verbessert werden. Hierfür ist ein Investitionsvolumen von ca. 5
Mio EURO vorgesehen, an dem sich auch der Freistaat Bayern mit
Zuschüssen beteiligt.
Bei der nachfolgenden
Besichtigung eines Zuges konnte man dann sehen, dass die
derzeitige Information über Zugziel bzw. den nächsten Bahnhof
den Informationsbedarf nur unzureichend deckt und die rote
Punktrasterschrift für Sehbehinderte sehr schlecht entzifferbar
ist. Das Informationssystem im Oberbayernbus (siehe anliegendes
Bild) mit der kontrastreichen Anzeige der nächsten Stationen und
der Endhaltestelle ist in diesem Punkt deutlich besser.
Als problematisch
wird immer noch die Forderung nach Anzeige aktueller Änderungen
in Schriftform gesehen, da das Zugpersonal zwar die Möglichkeit
hat, dies akustisch durchzugeben, aber mit einer textlichen
Eingabe in der jeweiligen Situation überfordert ist. D.h. man
muss sich Lösungen unter Einbeziehung einer Leitstelle oder von
vorgefertigten Texten überlegen.
Mit Herrn Seeger
wurde auch die theoretische Möglichkeit der Versorgung der
Notfallsprechstellen mit Induktion diskutiert. Herr Seeger zog
hierzu auch den Techniker, Herrn Greil, hinzu. Es ist jedoch
noch nicht klar, inwieweit trotz elektromagnetischer Störungen
im Zug eine praktische Umsetzung möglich wäre.
Insgesamt wurden die
Bedürfnisse und Wünsche von den Vertretern der Nahverkehrsmittel
interessiert aufgenommen und das Verständnis für die
erforderlichen unterschiedlichen Hilfsmaßnahmen für ein
barrierefreies Leben vertieft.
Neben den
Besichtigungsmöglichkeiten war auch für das leibliche Wohl
gesorgt.
Klaus und Lydia Ulmer
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