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Induktive Höranlagen - für wen und wozu?
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Barrierefreiheit
Unter dem Stichwort "Barrierefreiheit" fordert das
Bayerische Gleichstellungsgesetz die Teilhabe behinderter
Menschen am öffentlichen Leben - genauer gesagt: Es müssen die
Voraussetzungen geschaffen werden, dass behinderte Menschen nach
dem Stand der Technik optimal am öffentlichen Leben teilnehmen
können. Für Schwerhörige gilt dies insbesondere für die
Kommunikation und Informationsübermittlung in Gebäuden
(staatliche Einrichtungen, Kinos, Theater etc.). Die Bayerische
Bauordnung berücksichtigt diese Bedürfnisse in allgemeiner Form
(Abschnitt VII, Artikel 51: Barrierefreies Bauen). In
staatlichen Gebäuden in Bayern ist der Einbau von induktiven
Höranlagen sogar verbindlich (Beschluss des Bayerischen
Landtages, veröffentlicht als Drucksache 14/8286 v. 12.12.2001).
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Schwerhörigkeit ist nicht bloß leiser hören!
Auf schwerhörige
Menschen bezogen bedeutet dies, ihnen Höreindrücke und -erlebnisse
zugänglich zu machen, wo es nur möglich ist. Das Hörgerät allein
kann diese Leistung nicht bringen. Im Gegensatz zu einigen weit
verbreiteten Ansichten und vollmundigen Reklameversprechungen
der Hersteller von Hörhilfen können Hörgeräte und
Cochlea-Implantate (CI) einen bestehenden Hörverlust nicht
vollständig ausgleichen. Mittel- bis hochgradige und darüber
hinaus an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit sind qualitative
Behinderungen - es fehlen im Gehörten wesentliche
Frequenzbereiche. Daher hilft auch erhöhte Lautstärke (das
berühmte Schreien bei der schwerhörigen Oma) nur wenig, und
selbst modernste Technik kann nicht ausgleichen, wo etwas fehlt.
Ungünstige
natürliche Umgebungsbedingungen, insbesondere Hintergrund- und
Neben- geräusche, erschweren dem Schwerhörigen das Verstehen
zusätzlich. Je massiver diese Störungen sind, umso mehr
Konzentration muss der Schwerhörige aufbringen und umso
schneller ermüdet er. Er kommt dann an einen Punkt, an dem er
einfach nichts mehr verstehen kann: Die "Akkus" sind leer.
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Technik gegen
Störungen
Die technischen
Hilfsmittel setzen an diesen Störungen an: Sie versuchen,
Fremdeinflüsse so weit wie möglich auszuschalten, damit sich der
Schwerhörige ganz auf das konzentrieren kann, was er hören
möchte bzw. muss.
Klassische
Situationen sind Reden, Vorträge, Konzerte, Aufführungen etc.
Hier wird das Verstehen durch Hall sowie eingeschränkter
Absehmöglichkeit augrund Entfernung und/oder nicht ausreichender
Beleuchtung erheblich beeinträchtigt. Die Sprach- und
Musikübertragung über Lautsprecher ist für Schwerhörige
unteroptimal: Dem Klang fehlt es an Klarheit. Was aus dem
Lautsprecher herauskommt, ist ein für den Schwerhörigen nicht
entwirrbares Knäuel aus dem Gesprochenem, der Musikuntermalung,
evtl. Hall. Und es klingt immer wie von ganz fern.
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Der
Klassiker: Induktive Höranlagen
Hier helfen
insbesondere induktive Höranlagen. Redner oder Darsteller
sprechen in ihre Mikrofone, diese Signale werden in einem
speziellen Schleifenverstärker aufbereitet und auf die
Induktionsleitung gegeben. Diese schließlich baut in ihrer
Umgebung schwache zeitlich veränderte elektromagnetische
Wechselfelder auf.
Eine
spezielle Schaltung im Hörgerät ("T-Stellung" des Schalters bzw.
entsprechendes Programm) setzt die Wechselfelder wieder in
akustische Signale um: Der Schwerhörige hört das Gesprochene,
und zwar in unverzerrter HiFi-Qualität, in optimaler Lautstärke,
und ohne zusätzliche Geräte.
Voraussetzung
ist eine korrekte Parametrierung der induktiven Höranlage.
Moderne Systeme lassen sich fast immer so auslegen, dass eine
gleichmäßige Versorgung des gesamten Zuhörerraumes erreicht wird
(dies ist unbedingt anzustreben, um Ghettoisierung zu
vermeiden!). Hier entstehen dann keine Hörschatten, und auch ein
so genanntes Überschwappen der Felder in benachbarte Räume lässt
sich durch entsprechende Schleifengeometrie und entsprechende
elektronische Schaltung im Verstärker minimieren bzw. ganz
unterbinden.
Bei der
Planung induktiver Höranlagen sind bauliche Gegebenheiten
besonders zu berücksichtigen, da z.B. Metallkonstruktionen in
den Wänden oder im Boden stark absorbierend auf die
elektromagnetischen Felder wirken - die Leistung der gesamten
Anlage leidet darunter. Eine professionelle Planung
berücksichtigt dies.
Was abgelöst
wird, sind Induktionsanlagen veralteter Technik, insbesondere
trafogekoppelte oder Konstantspannungs-Verstärker, die leider
immer noch häufig angeboten werden (scheinbar günstig, da
vergleichsweise primitiv). Diese lassen in der
Übertragungsqualität sehr zu wünschen übrig. Insbesondere bei
den hohen Frequenzen, die für das Sprachverstehen besonders
wichtig sind, machen Konstantspannungs-Verstärker schlapp. Sind
rein physikalisch schon modernen IR- und FM-Anlagen hoffnungslos
unterlegen - die Ursache für die eingangs erwähnte Meinung.
Und die
Verwendung veralteter Technologie bei Induktionsanlagen ist der
eigentliche Grund für die geringe Akzeptanz bei den
Schwerhörigen: "Die bringt`s nicht, dann höre ich mit der
Normalstellung ja genauso gut...".
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Moderne
Induktionsanlagen: HiFi
Die Entwicklung ist
jedoch nicht stehen geblieben. Die Verstärker neuerer
Generationen geben einen konstanten Strom auf die
Induktionsschleife und steuern die Spannung, um den Frequenzgang
abzubilden. Nur für diese "modernen", d.h. dem Stand der Technik
entsprechenden Verstärker gelten die in dieser Abhandlung
gemachten Aussagen über die Qualität und Vorzüge
uneingeschränkt! m sie von den älteren Systemen (s.u.) zu
unterscheiden, übernehmen wir die im englischen Sprachraum
übliche Bezeichnung (AFILS, Audio Frequency Induction Loop
Systems) für Systeme, die mit der Konstantstrom-Technologie
arbeiten.
Ältere Systeme hingegen halten eine konstante Spannung in der
Induktionsschleife und versuchen über den Strom den
Frequenzverlauf in der Schleife zu regeln. Dies ist physikalisch
nur begrenzt möglich. Dieser prinzipielle Unterschied zwischen
AFILS und älteren Geräten entscheidet maßgeblich über Akzeptanz
oder Ablehnung einer Induktionsanlage durch Schwerhörige. Bei
größeren Räumen können nur AFILS die für die menschlichen
Stimmfrequenzen erforderliche Leistung in der Schleife erzeugen.
Anlagen älterer Bauart klingen konstruktionsbedingt meist dumpf
oder zu leise, sie genügen den Anforderungen der internationalen
Norm EN IEC 60118-4 nicht.
Die AFILS, gepaart mit intelligenter Schleifenverlegung, liefern
Hörerlebnisse in HiFi-Qualität (wenn auch konstruktionsbedingt
nur Mono). Die Argumente zugunsten der IR- und FM-Anlagen sind
von der technischen Entwicklung längst überholt worden.
Hinzu kommt: Die Installation des AFILS gestaltet sich bei
Neubauten, Renovierungen und Sanierungen vergleichsweise
einfach. In diesem Falle ist eine AFILS meist kostengünstiger
als vergleichbare IR- und FM-Anlagen. Ein nachträglicher Einbau
ist ebenso möglich, jedoch ist zu bedenken, dass die Schleife in
der Wand oder im Boden zu verlegen ist, was mit größerem
baulichen Aufwand einhergeht.
In jedem Falle sollte ein
Fachmann die Verlegung planen, die eingebaute Anlage nach der
genannten Norm EN IEC 60118-4 einmessen und die Messung
protokollieren. (Januar 2006)
Nach der Installation ist besonders wichtig, an geeigneter
Stelle auf die vorhandene Induktionsanlage hinzuweisen, zum
Beispiel mit einem Hinweisschild. Gebräuchlich ist die
Darstellung des internationalen Piktogramms für induktive
Höranlagen:

Ein solches Hinweisschild kann vom Landesverband zum Preis von
5.-- € käuflich erworben werden.
Für weitergehende Fragen zum Thema Induktionsanlagen steht die
Vorstandschaft gerne zur Verfügung. Adressen unter
Kontakt.
Die komplette Broschüre des Landesverbandes zum Thema Induktion
erhalten sie auf Anfrage bei der Vorstandschaft.
Darüber hinaus vergibt der Landesverband ein besonderes
„Prüfsiegel“ für normgerechte Anlagen. Voraussetzung ist die
Einhaltung der internationalen Norm DIN EN 60118-4. Diese
garantiert eine einwandfreie Funktion der Induktionsanlage.
Der bayerische Landtag hat am 12.12.2001 einen Beschluss zu
diesem Thema erlassen, der einen wichtigen Erfolg für die
Hörgeschädigten in Bayern bedeutet.
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