Landesverband Bayern

der Schwerhörigen und Ertaubten e.V.

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LV-Informationsveranstaltung in Würzburg
Schwerhörigkeit und technische Möglichkeiten

 

 

Am 5. November 2011 fand im Würzburger Matthias-Ehrenfried-Haus eine Gemeinschaftsveranstaltung des Landesverbandes Bayern der Schwerhörigen und Ertaubten e. V. und dem Schwerhörigenverein Würzburg zum Thema „Schwerhörigkeit und die technischen Möglichkeiten“ statt. Schwerpunkte dieses Infotages waren die induktive Hörmöglichkeit sowie die Hörsystemversorgung durch den Hörakustiker.

Landesvorsitzender Manfred Hartmann konnte dazu besonders den Landtagsabgeordneten Günter Felbinger (FW) begrüßen. Weiterhin freute man sich über Karl-Heinz Marx, dem 1. Vorsitzenden des Behindertenbeirates Würzburg, und Uta Schmitgen (Dipl.-Sozialpäd.) vom Sozialdienst für Hörgeschädigte des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Unterfranken, die der Einladung gefolgt sind. Dazu kamen Gäste aus den Selbsthilfegruppen Aschaffenburg und Karlstadt und viele weitere Interessierte.

Induktive Höranlagen

Thomas Jaggo, Technikreferent des Landesverbandes, verwies hinführend in seinem Vortrag „Induktives Hören“ auf Statistiken zur Anzahl von Menschen mit Schwerhörigkeit: „Diesen zufolge wird die Zahl der derzeit 19 % Schwerhörigen in Deutschland in Zukunft enorm ansteigen, bis 2030 vermutlich auf fast 50 %. Gründe hierfür sind der demografische Wandel und die Zunahme der Jugendschwerhörigkeit. Auch werden immer mehr Babys, die gehörlos zur Welt kommen, mit einem CI versorgt. Derzeit steht fest, das die Hälfte der schwerhörigen Menschen dringend eine technische Versorgung benötigt.“

Induktive Höranlagen sind eine Hilfe für Menschen mit Hörgeräten vor allem in geräuschvoller, halliger Umgebung und wenn der Sprecher weiter entfernt ist. Denn eine induktive Höranlage lasse nur das Nutzsignal ans Ohr bzw. Hörgerät, Hall und Nebengeräusche werden ausgeblendet, erklärte Thomas Jaggo. Voraussetzung hierfür ist die im Hörgerät eingebaute T-Spule.

In den angelsächsischen und skandinavischen Ländern sowie in den USA und Australien sei das induktive Hören viel mehr verbreitet. Und da Hörgeräte global vertrieben würden, eignen sich nahezu alle Hörgeräte zum induktiven Hören, so der Technikreferent. Zum Ausprobieren für die gut hörenden Gäste reichte er einen Induktiv-Kopfhörer durch, mit dem sich auch Landtagsabgeordneter Günther Felbinger an Ort und Stelle überzeugen konnte, um wie viel besser doch das Hören ohne Schalldistanz ist.

 

Induktive Höranlagen sind weltweit genormt

Behindertenbeiratsvorsitzender Karl-Heinz Marx stellte die Frage, warum nicht mehr auf Funk und Bluetooth gesetzt werde. Thomas Jaggo weiß: „Funkfrequenzen sind länderabhängig, Bluetooth hat  zu wenig Reichweite, doch induktive Höranlagen in öffentlichen Räumen funktionieren auf elektromagnetische Weise, die weltweit genormt ist.“

Hörakustikmeister Michael Jopp wusste hinzuzufügen, dass in Hörgeräten aller Preisklassen eine T-Spule eingebaut sei, Bluetooth dagegen den Hörsystemen ab der mittleren Preisklasse vorbehalten. Zudem verbrauche Bluetooth viel Strom. Das könne eine 1,3-Volt-Hörgerätebatterie nicht schaffen, und daher benötige man für diese Technik ein externes Modul.

Moderne Hörsysteme

Michael Jopp erläuterte in seinem anschließenden Vortrag, dass alle Hörgeräte in „normaler“ Situation oft gut funktionieren. Probleme bereiten aber die Störgeräusche. „Doch je moderner die Hörsysteme, desto feiner die Frequenzunterscheidung und damit umso besser die Möglichkeit der Störschallunterdrückung.“ Dazu ermögliche ein Funkkontakt zwischen den Hörgeräten, dass das Hören mit Richtungsmikrofonen auch wirklich auf beiden Ohren funktioniere. Dies reduziere den Nachhall und erhöhe die Spontanakzeptanz. „Früher haben Hörgeräte ohne gegenseitige Funkverbindung da unterschiedlich reagiert, wenn das Störgeräusch von nur einer Seite kam“, informierte Michael Jopp.

Anhand einer schematischen Darstellung erklärte er anschaulich, wie moderne Hörsysteme der Rückkopplung entgegentreten. Das könne man technisch noch nicht hundertprozentig lösen, aber man habe es viel mehr im Griff.

Aus dem Publikum kam die Frage: „Es gibt neuerdings Hörgeräte, die wasserdicht sein sollen. Inwieweit sind diese wirklich wasserdicht?“ Der Hörakustikmeister gab hier zur Auskunft: „Wasserfeste Hörsysteme sind eher für Spezialsachen gedacht: Für Schwimmer oder starke Schwitzer. Doch Tauchen wird nur bedingt möglich sein.“

Herbert Egert, Vorstandsmitglied im LV Bayern, wollte wissen, warum bei der Hörgeräteanpassung die T-Spule zum induktiven Hören oft nur als Option benannt wird und nicht bereits vorab aktiviert ist. Dazu äußerte Michael Jopp, dass die Hörakustiker dies individuell behandeln. Er selbst gebe die Hörgeräte  mit aktivierter T-Spule an seine Kunden aus.

Am Ende dieser beiden Vorträge verwies Manfred Hartmann noch auf die Ausstellung „Vom Hörrohr bis zum modernen Hörsystem“ im Matthias-Ehrenfried-Haus, die Michael Jopp zur Verfügung gestellt hatte. Manfred Hartmann dankte den Gästen für ihr Kommen und schloss mit den Worten: „Es war sehr interessant, wie gut die beiden Vorträge doch miteinander aufgebaut waren und sich ergänzt haben. Wir wollen mit unseren Informationsveranstaltungen das Verständnis in der Öffentlichkeit und bei den Behörden weiter fördern.“

Induktive Höranlagen: Thomas Jaggo informiert Foto: hw

 


Moderne Hörsysteme: Hörakustikermeister Michael Joop aus Würzburg Foto: hw

 


Als integrationspolitischer Sprecher der Freie-Wähler-Landtagsfraktion informierte sich Günther Felbinger (li, mit Manfred Hartmann) bei der LV-Veranstaltung über den Abbau von Kommunikationsbarrieren durch induktive Höranlagen Foto: Günther Felbinger, MdL

 

 

 

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