Landesverband Bayern

der Schwerhörigen und Ertaubten e.V.

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Schwerhörige sollen sich zusammentun
 

Selbsthilfegruppe für Schwerhörige im Landkreis Schwandorf soll wiederbelebt werden
(MITTELBAYERISCHE ZEITUNG LANDKREIS SCHWANDORF vom 06.11.07)

KLARDORF. 16 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Schwerhörigkeit. Der Landesverband Bayern der Schwerhörigen und Ertaubten hilft Betroffenen, die mit Ihrer Krankheit verbundenen Hürden im Alltag zu meistern. Bei der Herbstversammlung am Samstag im Turm-Restaurant Obermeier in Klardorf ging es dem Verband vor allem um die Wiederbelebung der Selbsthilfegruppe für Schwerhörige in Schwandorf und Umgebung. 16 Millionen schwerhörige Menschen in Deutschland, das sind umgerechnet auf Bayern etwa zwei Millionen Betroffene. "Trotzdem haben wir momentan nur 500 Mitglieder", sagte der Landesvorsitzende Manfred Hartmann. Das Problem sieht er in der Unsicherheit der Betroffenen: "Schwerhörige bekennen sich nicht gerne dazu, weil sie glauben, dass sie dann nicht mehr als volles Mitglied der Gemeinschaft betrachtet werden." Dabei sei gerade der Mut, in die Gesellschaft zu gehen, so wichtig.

Wollen die Selbsthilfegruppe für Schwerhörige in Schwandorf und Umgebung wiederbeleben: Bettina Bronold und Manfred Hartmann. Foto: sri

In Schwandorf sind weniger die Berührungsängste mit der Schwerhörigkeit das Problem. Immerhin hatte die Selbsthilfegruppe einst 20 Mitglieder. Trotzdem kam es vor etwa neun Monaten - fünf Jahre nach der Gründung - zur Auflösung. Der Grund? "Sobald die Probleme gelöst waren, gab es keine Mitglieder mehr", so Bettina Bronold aus Steinberg. Mit Problemen meint sie vor allem die Integration schwerhöriger Kinder in die jeweilige Regelschulen. Bei der Selbsthilfegruppe Schwandorf handelte es sich um eine Eltern-Kind Gruppe. Dass es aber keine Probleme mehr gebe, sobald sich die Kinder in den Schulen unter lauter normal hörenden Mitschülern zurechtgefunden haben, hält Hartmann für einen Trugschluss: "Die Schwierigkeiten kommen wieder, wenn die Betroffenen auf eigenen Beinen stehen müssen." Zum Beispiel in der Arbeitswelt: "Der Arbeitgeber hat vielleicht nicht immer so viel Geduld, wenn es zu Kommunikationsproblemen kommt." Das sieht auch Bettina Bronold so: "In der Arbeitswelt gibt es dieses Glashaus für die Kinder nicht mehr." Bei derartigen Problemen könnte der Landesverband Bayern der Schwerhörigen und Ertaubten mit seinen insgesamt zwölf Ortsgruppen eine große Hilfe sein. Deshalb möchte der Landesverband auch die Selbsthilfegruppe für Schwerhörige in Schwandorf und Umgebung wieder ins Leben rufen. Denn so eine Selbsthilfegruppe bringe einige Hilfestellungen und Erleichterungen im Alltag mit sich: Beratung bei der Finanzierung der Hörgeräte die von den Krankenkassen nur noch bezuschusst werden, Stärkung des Selbstbewusstseins im Umgang mit der Schwerhörigkeit, Verhindern der Isolation und Vereinsamung oder Förderung der Kommunikationsfähigkeiten. Hartmann hofft, dass die Betroffenen in Schwandorf und Umgebung die Vorteile erkennen.

Dass eine Selbsthilfegruppe wirklich etwas bewirken kann, zeige ein wesentlicher Erfolg der ehemaligen Gruppe in Schwandorf: Dank ihres Engagements wurde im neuen Schwandorfer Kino eine induktive Höranlage eingebaut, mit deren Hilfe Hörgeräteträgern Signale störungsfrei und ohne Nebengeräusche hören können. (sri)

SELBSTHILFEGRUPPE - Wer Interesse an der Selbsthilfegruppe für Schwerhörige in Schwandorf und Umgebung hat, der kann sich jederzeit an Bettina Bronold, Steinberg am See, wenden. Einige wenige Mitglieder treffen sich noch hin und wieder. Eine feste Gruppe gibt es derzeit aber nicht.

Schwerhörige fordern Unterstützung

Landesverband tagt in Schwandorf - Auf Probleme aufmerksam machen
(MITTELBAYERISCHE ZEITUNG LANDKREIS SCHWANDORF vom 08.11.07)

SCHWANDORF. (rid) Manfred Hartmann ist seit seinem zehnten Lebensjahr schwerhörig. Am Samstag verlegte der Landesvorsitzende  die Verbandsversammlung in die Gaststätte Obermeier in Klardorf, um die vor fünf Jahren gegründete Schwandorfer Selbsthilfegruppe neu zu beleben. Im "Landesverband der Schwerhörigen und Ertaubten" sind zwölf Vereine mit 500 Mitgliedern integriert.

"Ein geringer Organisationsgrad", erklärt Manfred Hartmann, "wenn man bedenkt, dass es in Deutschland 16 Millionen und in Bayern 2 Millionen hörgeschädigte Menschen gibt." Der Landesvorsitzende hat auch eine Erklärung dafür: "Schwerhörige Menschen scheuen die Öffentlichkeit und schotten sich ab." Gemäß einem weit verbreiteten Vorurteil: Taub sei dumm. Die Gründe für Schwerhörigkeit können vielfältig sein: Lärm, Unfall, Erkrankung, Medikamente oder Vererbung.

Die Technik macht den Betroffenen heute aber vieles leichter. Manfred Hartmann hat zum Beispiel Probleme beim Telefonieren. Deshalb schickt der gelernte Kaufmann lieber eine "SMS". Induktionsanlagen in Kinos und öffentlichen Sälen lassen schwerhörige Menschen auch an Kultur- und Unterhaltungsveranstaltungen teilnehmen. So wie etwa im Union-Kino Schwandorf.

Bettina Bronold aus Steinberg ist Mutter von zwei hörgeschädigten Kindern und hat die Schwandorfer Selbsthilfegruppe mit aufgebaut. Sie stellt fest, dass ich immer mehr Eltern zurückziehen. "wenn die Kinder mit ihren Defiziten ganz gut zurechtkommen." Dabei sei es notwendig, die Öffentlichkeit stärker auf die Erkrankung aufmerksam zu machen und verbesserte Rahmenbedingungen für Schwerhörige einzufordern.

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