Schwerhörigkeit: Die unsichtbare Behinderung
"sie Alle
geHÖREN daZU"
(PRESSEBERICHT vom 08.11.08)
Schwerhörige
und ertaubte Menschen standen im Mittelpunkt des Bayerischen
Studientages am 10.11.2008, den der Katholische Deutsche
Frauenbund (KDFB) im Haus St. Ulrich in Augsburg veranstaltete.
Er stand unter dem Motto "sieALLE geHÖREN daZU. Schwerhörigkeit
- die unsichtbare Behinderung". Jeder vierte Bundesbürger hat
eine Hörminderung, wobei in der Altersgruppe über 70 Jahre jeder
Zweite hörgeschädigt ist. "Wer schlecht hört oder gar nicht
hört, fühlt sich oft ausgegrenzt", erklärt Maja May, Vorsitzende
der sozial-caritativen Kommission des Frauenbundes. Der
Frauenbund hatte in Kooperation mit der
Hörgeschädigten-Seelsorge im Bistum Augsburg zu dem Studientag
eingeladen. Rund 75 Teilnehmer aus ganz Bayern informierten sich
in Vorträgen und Workshops über die Schwerhörigkeit.
"Dem KDFB war
es wichtig mit diesem Studientag das Tabu zu brechen, dass man
über Schwerhörigkeit nicht spricht", erklärt Christel
Mittermaier, Referentin beim Bayerischen Landesverband des KDFB.
"Diese Veranstaltung sollte zum besseren Verständnis für
schwerhörige Menschen beitragen, technische Hilfen aufzeigen
sowie die Vernetzungen von Vereinigungen und Gruppen anregen."
Maria
Fischer, Mitglied im Bayerischen Landesvorstand des Katholischen
Deutschen Frauenbundes, wies in ihrem Grußwort darauf hin, dass
die Teilhabe an allen Bereichen des Lebens bei schwerhörigen
Menschen eingeschränkt ist. Im Rahmen des Jahresthemas
"Generationen - Einander in den Blick nehmen, in Verantwortung
vor Gott und den Menschen" möchte der Frauenbund über
Schwerhörigkeit informieren und anregen, darüber ins Gespräch zu
kommen."
Viele
betroffene Menschen entscheiden sich Jahre zu spät, etwas gegen
ihre Schwerhörigkeit zu unternehmen, weiß Michael Geisberger,
Pastorreferent bei der Katholischen Hörgeschädigten-Seelsorge in
Augsburg: "Ich versuche, die Menschen aus der Isolation
zurückzuholen und sie zu ermuntern, zu ihrer Schwerhörigkeit zu
stehen. Ich habe hier in Augsburg auch die erste
Selbsthilfegruppe für schwerhörige Menschen gegründet." Beim
Studiengang stellte Geisberger den Informationsfilm
"dazugeHÖREN" des Österreichischen Schwerhörigenbundes in
Ausschnitten vor.
In ihrem
Vortrag "Schwerhörigkeit von der Wiege bis zum Lebensende"
erzählte Hildegunde Kurzmann-Schiller, die zweite Vorsitzende im
Landesverband Bayern der Schwerhörigen und Ertaubten und selbst
Hörgeräte-Trägerin, aus ihrem Leben. Ein Sauerstoffmangel bei
der Geburt verursachte bei ihr die Hörschädigung, die erst in
der Schulzeit festgestellt wurde.
Was gegen
Schwerhörigkeit unternommen werden kann, erklärte Hörtrainerin
und Hörgeschädigtenpädagogin Irene von Mende-Bauer. In ihrem
Referat "Zehn Punkte für eine Hörgeräteversorgung mit Qualität"
fasste sie alles Wichtige rund ums Thema Hörgerät zusammen.
Mit einem
Hörtest kann der Hals-Nasen-Ohren Arzt oder Hörgeräteakustiker
das Ausmaß der Schwerhörigkeit ermitteln. Wer ein Hörgerät
benötigt, sollte mit diesem Schritt nicht warten, da das Gehirn
das Hören verlernen kann. Neben Hörgeräten gibt es auch das
Cochlea-Impantat, eine elektronische Hörprothese, die operativ
eingesetzt werden muss.
Für die
TeilnehmerInnen des Studiengangs standen Workshops zu folgenden
Themen auf dem Programm: "Wie können Hörgeschädigte in Gremien
arbeiten?", "Rollenspiele und Tipps zum besseren Verstehen in
Gesprächssituationen","Soziale Fragen und Themen von
hörgeschädigten Menschen im alltäglichen Leben" und "Wie kann
ich Veranstaltungen im KDFB-Zweigverein für Hörgeschädigte
attraktiver gestalten?".
Einen
Workshop leitete Martha Kuscha, Zweigvereinsvorsitzende des
Frauenbundes aus Germaringen und selbst Hörgeräteträgerin: "Die
Betroffenen müssen den Mut haben, Forderungen für sich zu
stellen. Das Wichtigste ist aber, dass ich nach außen kund tue,
dass ich schwerhörig bin, dann kann ich auch Verständnis
erwarten."
Karin
Schrott, Katholischer Frauenbund (Tel. 089/89136869):
www.frauenbund-bayern.de
Michael
Geisberger, Pastoralreferent
Kath. Hörgeschädigten-Seelsorge im Bistum Augsburg
Kappelberg 1
86150 Augsburg
Telefon: 0821
3152 251
Telefax: 0821 3152 256
E-Mail:
hoergeschädigte@bistum-augsburg.de
Internet:
www.hoergeschaedigt.bistum-augsburg.de